29.08.03

Erkenntnis

Die Erkenntnis kommt oft spät. Wo bist du? Ich suche dich, ich wache über dich. Lasst dich wohl nicht drängen. Stur in deiner wissenden Macht. So sieht es dann aus: mehr oder weniger nicht wahr. Für den Moment bist du nicht geboren, im Moment entspringst du. Dem Stürmen bist du angetan, wo ist meines hin? Rebellion in kraftlosen Worten. Tata!
Im Grunde genommen stehe ich nur am Geländer einer ausgebauten Dachterassenwohnung, blicke über Wien. Die Luft riecht irgendwie echt, ein wenig kälter und sie wäre mein bauernschlauer Vorbote für den Winter. Ich denke, wenn ich hier noch ein wenig länger alleine ungestört verweilen könnte kämst du. Wie es im Leben nun mal so ist: Blumen gießen sich schnell und nicht nur durch mich. Nicht tatsächlich trotzdem liegt etwas in der Luft, eine Erinnerung. Nicht weit entfernt empfand ich einst naive reine kindliche Verliebtheit. Hm Nichts allzu Neues. Der Mars scheint hell rot. Generationen nach uns werden es nicht so sehen. Könnte natürlich sein, dass sie viel marsnähere Konzepte haben werden. 8 Monate nur denken? Es scheinen mir schon die paar Minuten im Dunst nicht gut zu bekommen.
Ich warte immer noch auf dich. Ist der Ort nicht perfekt für dich? Ist diese produktivlose Stimmung nicht ein wollig warmer Nährboden für dich?

"De Zeit is ma zarunna
wia Sand in da Hand.
Und doß i di ned pockt hob heite
is eigentlich a Schand
Doch i denk ned noch, wos sein kennt
wann wos g'wes'n wa.
I red ma ein, es is ma Wurscht,
und drum sog i da baba, baba!

Baba und foi ned
und kumm guad z'aus,
loß olle sche griaß'n
und moch da nix d'raus!
Baba und foi ned.
Mir ham a Chance vageb'n
- a Nocht umsunst aufblieb'n
oba so is des Leb'n.

Baba und foi ned,
und foi ned nieda
Und weu sa si ned vameid'n loßt
darum sehg'n ma uns (nie) wieda.
Baba und foi ned.
Baba und foi ned.
Baba und foi ned auf.?
(Wolfgang Ambros- Baba und foi net)


Doch eigentlich bin ich die me(n)tal Stufen schon längst wieder unten. Viel zu schnell. Ich wünschte ich könnte im Gedanken brutal sein. Im Blut warten, Köpfe abreisen, Fleischfetzen um mich schmeißen, reinbeißen ausspucken, Vernichtung üben, in zerstörende Rage geraten, den Kopf senken und durchschreiten. "There was much blood and gore." Rache an denen üben die eigentlich gar nicht mal schuld sind, Erleichterung im Ausklinken finden. Doch nein das bin nicht ich. Nicht mal das.
Ohnmächtig und im Prinzip ist es die meiste Zeit eigentlich nur wurscht. Es ist so wurscht, dass es sich nicht lohnt dafür oder dagegen zu kämpfen. Die tägliche stumpfe Besinnungslosigkeit. Und kann ich wirklich unzufrieden sein damit? Immerhin passiert keine Katastrophe, keine Verletzung, nichts was sich nicht aussitzen lässt.
Ein Zwergerl sitzt in seinem Häuschen und kocht sich einen leckeren Apfelstrudel. Köstlich duftes aus dem kleinen Schornstein, der aus dem Pilz, der die Behausung unseres Zwergels darstellt, ragt. Seine rote Zwergenmütze hat er heute durch eine weiße gekremmte Kochhaube ausgetauscht, auch seine bequeme Zwergerlwandertracht ist mit einer Schürze vor jedem kleinen Patzer geschützt. Am Holztisch liegt das altgediente Kochbuch seiner Großmutter, zu dem er immer wieder flink huscht, wenn er sich des Rezepts nicht mehr so ganz sicher ist. "Aha Mh" murmelt er dann, kratzt sich zweimal am Kinn und schon kann es weitergehen. Am Tisch liegt ein Tuch auf dem eine Lage des Blätterteigs aufgerollt ist. Die in kleine Scheiben geschnittenen entkernten Äpfel sind schon mit den in Butter gerösteten Bröseln vermengt. Jetzt fehlen nur mehr der Zucker und die Rosinen, dann kann er den Teig schon zusammenrollen. Stolz reibt er sich den Bauch. "Das wird der Beste.", denkt er bei sich, "dem habe ich eine Briese Zimt beigemengt." Doch nun muss er warten, bis das erste Blech fertig ist.
Zufrieden setzt er sich er sich in seinen Lesestuhl und sinniert: "Hm 2 Minuten noch dann kann ich ihn rausnehmen. Das Glass Milch steht schon am Tisch, der Staubzucker daneben. Hm Hm. Hab ich an alles gedacht?" Während er genüsslich seine Gabel in den Apfelstrudel gräbt, lässt ihn der Gedanke nicht los. Es kommt ihn so vor als hätte er etwas vergessen, als fehle ihm etwas, als wäre dies alles nicht vollkommen.
Na Kinder was fehlt unserem kleinen Freund?
Und kommst du? Aber nein. Du lässt mich dumm sterben. Wieso nicht auch dumm leben? Was muss ich tun, damit du mich nicht ständig streifst? Was muss ich tun, damit du mich wirklich streifst?
Das ist so eine Sache mit der Erkenntnis, ich sag's euch. Soll man sie lieben, soll man ihr aus dem Weg gehen? Aber tu ich dir nicht eigentlich unrecht? Du gebierst eben nicht immer. Würde ich bei diesen Schmerzen auch nicht. Klar bist du öfters da, als du Kinder bekommst.

So jetzt bist du an der Reihe, Sabine!

Posted by Andreas at 29.08.03 16:25
Comments

weiß die erkenntnis, aus welchem grund sie bei Dir vorbeikommen soll? was beschäftigt Dich?

Posted by: Sabine at 29.08.03 22:07

Ich nehm an es wäre gerecht. Wenn Sie mich mit Tatsachen konfrontiert dann kann sie mich auch gern mit Lösungen beglücken.
Was es ist? Unorigineller Weltschmerz, die Suche nach einem gangbaren Weg zur Zufriedenheit, weck vom inhaltslosen Leben.
Wie gesagt eigentlich ist es ja wurscht.*gg* Bin da nur mal wieder reingekippt wärend des Schreibens. Und ich muß ja auch zugeben, daß ich ein bisschen die alte Energie in mir misse. Diese harte Anklagefähigkeit. Was im grunde genommen wieder blödsinn ist.
Wahrscheinlich liebe ich aber auch nur manchmal melancholische Stimmungen oder so.
Mich beschäftigt also vieles, vielleicht nichts davon wirklich.
Außerdem gings ja ums Schreiben des Schreibens willen hab ich geglaubt...:-)

Posted by: Andreas at 29.08.03 23:42

verstehe. :)

ps. ich will auch eine dachterrasse!

Posted by: Sabine at 29.08.03 23:53

Warum wäre es gerecht, daß sie Dich - wenn sie Dir schon Negatives vorhält - auch gleich mit Lösungen beglücken muß? Das ist doch Dein Leben, das Du auf Deine Art und Weise leben mußt. Ich würde mir nie anmaßen, jemandem Vorschriften zu machen. Ich finde, das ist ein bißchen wie Klamottenkauf: Ich weiß zwar meist nie, was ich will, aber ich weiß ziemlich genau, was ich nicht will.

Posted by: Clio at 30.08.03 07:49

Ähm. Sie die Erkenntnis ist ja eigentlich sowas wie ein Teil von mir.
Das Unterschwengliche, dass es eine reale Frau sein könnte ist sicher gewollt, nur gibt's diese Frau nicht wirklich oder besser ich kenn sie oder seh sie nicht.
Wenn mir jemand hilft meine Probleme zu lösen, würde ich das nicht umbedingt mit Vorschriften machen gleichsetzen.
Wie ich mein Leben lebe hängt ja stark davon ab wie ich wahrnehme, das mir die Menschen begegnen, wenn du so willst ist es meine Art und Weise mir schon zu Herzen zu nehmen, wie sie das tun.
Ob ich mir selbst Vorschriften machen sollte is aber wieder eine ganz interessante Frage.
Ich finds auch ein bisschen interessant, dass ihr das so inhaltlich auffasst.

Posted by: Andreas at 30.08.03 09:13

Das klang wiedermal nach typisch Mann, nehm ich an.

Posted by: Andreas at 01.09.03 22:02

Na, in meinen Ohren klang das eben danach, als sei sie die Lösung aller Deiner Probleme. Und das ist etwas, das kein Mensch leisten kann. Obwohl wir uns das natürlich alle insgeheim erhoffen.

Posted by: Clio at 02.09.03 08:39