4 neue Wände erschreckend kahl und fremd. Harte Mauern schützend fangend. Schales Licht bricht sich im Staub des Fensters. Der Packetboden versprüht einen schmierigen Scharm vom Tag der Bemalung mit weisen Tropfen besudelt.

Ausatmen und durch. Auf in den Kampf. Soll der Besen mein Schwert, der Kübel mein Schild und der Fetzen meine Scham bedecken. Die Maiden des Besuchs werden den Siegreichen mit Lobgesängen begegnen. Kniee schleifen im Tanz der Reinigung wild fast unkontrolliert über die Bretter. Der Lendenschurz verrutscht im Taumel. Fingernägel knacken beim Kratzen über die widerspenstigen kugelförmigen Tropfen. Schaumiges Reinigungswasser rinnt über die zur oberste Stelle des Fensters gereckte Hand und in Folge über die nackte Brust und den ganzen erschaudernden Körper ab. So wart es geschehen bis sobald der Tag der Weihung rumvoll anstund. Alle waren sie gekommen, die Brüder und Schwestern im Herrn, voll Lobpreisung und voll gottgegebener Zuversicht, in Erwartung der Lichtblicke, die da kommen mögen. Der Priester sprach Worte - ach wie sie mir noch heute im Geiste erklingen:

„Sei dies nun das Zimmer unseres Bruders Andreas. Möge es zum Ort der Besinnung für euch alle werden. Zum Ort des Einklangs mit euch selbst und dem Wort Gottes. Gleichsam soll es euch in guten und schlechten Zeiten begleiten. Und treibet mir keine Sünde in ihm, zu rein ist noch das Blut Jesus, das für uns geopfert wurde, als das es erneut vergossen werden sollte. Lebet tugendhaft und moralisch in ihm und es wird euch werden zum Platz der ewigen Erleuchtung. Amen“ Für den Moment spiegelte sich in den Tropfen des Weihwassers grelles erfüllendes Licht, in ihrer klar gegebenen Bahn bis zum Versickern in die gebreitete Matratze.

Nun heute sitzt ein Junge im Türkensitz in der Mitte der Matratze. Wenn man die Türe öffnet, ihn kauern sieht und die Inschrift auf seinem T-Shirt betrachtet, liest man:

„Manchmal erscheint das Leben so, als wäre eine noch so extreme Lüge wahrer als die Wirklichkeit. Die größte Weltfremdheit gleichzeitig die reinste allumfassende Logik. Die Flucht in der Nähe fern. Der Angriff in seiner Potenz fruchtlos.“

Ist das eine Ausladung? Aber nein komm rein; leg dich hin; mach’s dir gemütlich; schnapp dir einen Polster ein Plüschtier oder was dein Herz begehrt.

„Was siehst du?“

„Dich!?“

„Bin ich die Technik, die mich umgibt?“

„Nicht nur! “

„Öffne die Fenster. Siehst du das brennende Inferno? Lebt es da draußen, oder existiert es, weil du hier drinnen bist? Würde es drinnen lodern, wenn du draußen wärst? Wünschst du dir zu verbrennen? Der Preis zu wissen was es ist, das deinen Schatten vibrieren lässt - bist du bereit zu zahlen? Dafür? - Das Trugbild der Phantasie, gegen das Trugbild der Wirklichkeit zu tauschen?“

„N-Nein!!“

Nun der Junge sitzt im Türkensitz in der Mitte der Matratze. Wenn man die Türe schließt, durchs Schlüsselloch ihn kauern sieht, wird er älter, sein Grinsen breiter, so breit wie die Fratze von Jack out of the box. Die Inschrift verblasst nicht. Jack grinst auch in der box. Das Zimmer wird kleiner und kleiner, Fenster ersetzt durch Neonröhren, die Wände gepolstert überzogen mit weißem Leder, segmentiert durch ebenso weiße Fäden zu regelmäßigen Vierecken.

„J-Ja!!“

Nun der Junge steht auf aus seinem Türkensitz. Seine Knöchel knacken, lang saß er da. Die Fenster springen nicht auf, aber sie lassen sich öffnen. Es mag die Weihwasserader der Matratze sein, die Ausschlag gibt, dass er seine Hände aus der Verschränkung breitet. Es mag sein, dass das Feuer noch lodert. Es mag sein, dass Wände in Glut stehen. Warum auch nicht? Es wird sein, dass die Inschrift nie verblasst, die Feder am Kopf immer zum Sprung bereit, die Gefahr nie erlischt. Vielleicht wird auch die Matratze Staub fangen.

Noch ist es nicht so weit. Die 4 Wände rücken die Flucht näher, sie wird fern. Elektronik zieht ihre Energie, fordert zum Konsum. Mehr fun bitte! Dimmt das Licht! Aktion!